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Warum trägt mein Kind eigentlich Windeln?

 Haben Sie sich jemals diese Frage gestellt? Warum trägt mein Kind eigentlich Windeln? 

 
Nicht? Weil ein Baby IMMER Windeln trägt? Weil es seine Ausscheidungen noch gar nicht kontrollieren kann? Weil das Bewusstsein und Erinnerungen an ein Baby immer mit Windeln sind? Weil wir es nicht anders kennengelernt haben?
 


 

 

Rund um das Thema Kind gibt es unzählige Fragen und die dazugehörigen Ratgeber, die Eltern in ihren Entscheidungen über die ideale Babypflege und Kindererziehung unterstützen sollen. Sie helfen den Eltern, sich besser orientieren zu können. Welche Ernährung braucht mein Baby, welche Kleidung darf an seine zarte Haut, soll ich impfen, ja oder nein, wo soll mein Kind schlafen, welche Ausstattung brauche ich fürs Auto, für unterwegs? Es gibt kaum einen Bereich, der uns nicht vor zum Teil schwierige Entscheidungen stellt.
 
Ein Bereich dagegen scheint klar zu sein: Das Baby trägt Windeln! Aber warum eigentlich?
 

Ein Blick zurück

Der Umgang mit Babys und das Wissen darüber gilt seit jeher als Selbstverständlichkeit, so wurde es viele Jahrhunderte in der Literatur kaum erwähnt – man ging davon aus, dass die Mütter schon wüssten, wie ein Kind zu versorgen sei – inklusive des Sauberwerdens. So etablierten sich die verschiedensten Methoden und Vorgehensweisen, aber auch Vorurteile. Die Familiensituationen vor hundert Jahren unterschieden sich deutlich von den heutigen. Kinderreiche Familien, oft arme Verhältnisse sowie Gehorsam und Strenge in der Kindererziehung prägten das soziale Gefüge. In Europa wurden Babys viele Jahrhunderte lang mit Stoff gewickelt. Stoffwindeln hatten den Vorteil, dass sich die Eltern sehr früh bemühten, die Kinder sauber zu bekommen – um allein schon den Arbeitsaufwand zu reduzieren. Wechselkleidung gab es zudem nur in spärlicher Anzahl. Unterhosen wie wir sie kennen, gab es bis ins 19. Jahrhundert ebenso nicht. Ein schnelles Sauberwerden hatte damals in erster Linie also praktische Gründe und orientierte sich weniger an den natürlichen Fertigkeiten des Nachwuchses. Findige Hilfsmittel wie Spielstühle mit integrierter Schüssel wurden eingesetzt. Ab einem halben Jahr wurden die Kinder an den Topf heran-geführt, mit dem Ziel, dass sie möglichst früh sauber wurden. Die Erfindung der Einmalwindel empfanden sehr viele Eltern als Erleichterung, da ein Waschen der Windeln durch einfaches Tauschen und Wegwerfen ersetzt werden konnte. Die Wäscheberge nahmen ab, die Müllberge wuchsen dagegen rasant an. Wegen der einfachen Handhabung und des Auslaufschutzes bemühten sich die Eltern immer später um die Sauberkeit der Kinder. Sie wickelten oft erst dann, wenn es wirklich nötig war. Bewegungsein-schränkung, Hautirritationen und eine kaum mehr vorhandene Wahrnehmung der eigenen Ausscheidung und deren Wirkung sind die Folge. Die Windelphase verlängerte sich von anfangs eineinhalb bis zwei Jahre auf zunächst zweieinhalb bis drei Jahre. Heute sind viele Vier- und Fünfjährige noch nicht von der Windel losgekommen. So findet man heute die unterschiedlichsten Windelprodukte für Neugeborene bis zu Schulkindern. Die Windelhöschen für 4-Jährige und noch ältere Kinder sind bunt verpackt, werden als maximal praktikabel und chic verkauft.